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Garantiert kein Club! Keine Party!
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basisraum nasse wäsche / Sa., 25.09. 2004

wet clothes in the artspace

Nasse Wäsche, entweder aus dem Besitz von trudi.sozial oder von den Besuchern mitgebracht hängt zum Trocknen aus.

Hans Romanov arranges some underwear

Hans Romanov höchstpersönlich befestigt eine Unterhose an der Leine.

Andreas Kallfelz adjusts a T-Shirt

Andreas Kallfelz überprüft den Trocknungsgrad des Samen Andreas T-Shirts, auch wenn es nicht sein eigenes ist.

 

Hans Romanov war so freundlich seine eigenen Impressionen bei liga6000 zu veröffentlichen:

Auf geht's zu Stefan Beck in den Klub TRUDI SOZIAL. Durch das kleinteilige Verglas des Wärterhäuschens, in dem sich der Klub befindet, sieht man schon, es könnte dort Waschtag vorherrschen. Spätestens als wir drinnen sind und herzlichst von Stefan begrüßt werden, schlagen uns schon verschiedenste Wäscheteile um die Ohren, und es ist nicht ganz leicht, die Umhersitzenden zu sehen, geschweige denn zu erkennen. Wir werden gleich befragt, ob wir stickige Wäsche zum Einweichen dabei haben, um sie danach zum Trocknen aufzuhängen. Es geht eindeutig um Kunst und nicht um den Säuberungsprozess. Warum auch nicht - wie gerade im Museum für Moderne Kunst täglich mit Frau STURTEVANT (USA) vorgeführt wird - ebenfalls Kunst als Duplikation installieren und den Kritiker Alan R. Solomon alleine dastehen lassen mit seiner feinstsinnigen Frage: "Is it a flag or is it a painting?"

TRUDI SOZIAL sind schon einige Klubs vorausgegangen, die ähnlich sozial, seminar- und sin(n)ologisch, wie trudisch und japanisch funktionierten. Und bevor wir Getränke bei Stefan ordern können, ist diesmal kaum das Seminarische zu überhören und wir sind mittendrin. So richtig klar sind der Runde die Begriffe Semantik und Semiotik nicht. Auch ich weiß nur ungefähr, bei beiden Begriffen geht es irgendwie um Sprache, aber wie? Es geht hin und her zwischen Mario, Sabine, Margaretha wie Andreas und den anderen: Die Lehre der Bedeutung eines Wortes, Satzes und Textes... wie sprachlicher Zeichen und Zeichenfolgen.... als Teilgebiet der Linguistik ... im Kontext realisierte Bedeutung eines Semems.... uiuiui. Und das zu dieser fortgeschrittenen Nachtstunde. Irgendwann stelle ich fest, dass heute noch niemandem nach Sake zumute war. Getrunken werden Bier und Säfte. Vielleicht hätte ja gerade der japanische Reiswein klärend wirken können. Es ist sicherlich eine gute Stunde vergangen und wir hangeln uns zwei Türen weiter, im selben Gebäudetrakt des IC(A)F, auch Atelierhaus Frankfurt genannt. Dort wird uns in die Magenkuhle die basstreibende Musik gedrückt.

Ist es erlaubt Kunstwerke einfach zu kopieren, und wie verändert sich ihr Status, wenn man es tatsächlich tut?

Wir wollen die Ausstellung von Elaine Sturtevant zum Anlass nehmen und zeigen, wie einfach es ist ein Kunstwerk nachzubilden. Am Beispiel der Installation "Basisraum Nasse Wäsche" von Joseph Beuys.

Petra: Also, wie ist denn das nun mit dem Beuys? Ich studiere ja jetzt Kunst-Design in Darmstadt...

Rolf: Schatzi, und ich lehre Bank-Design an der Bank Art Academy in Luxemburg. Wir haben nicht nur den ganzen Block, wir waschen da auch jede Menge schmutzige Wäsche.

Dietmar: Wäsche muss ständig gewaschen werden und erinnert uns dadurch täglich an das Rad des Lebens, an Sysiphus oder wahlweise an die Wiederauferstehung aus dem großen Wäschekorb.

Mustafa: Eine sehr schöne Arbeit von Beuys heißt »Jungfrau Basisraum Nasse Wäsche«. Er hatte nämlich kurz zuvor einem stieseligen österreichischen Museumskurator in Schriftform empfohlen, statt Bildern doch lieber nasse Wäsche aufzuhängen und dies dann »wie es halt so seine Art war« im selben Jahr bei einer Ausstellung in Öschiland in eine Installation umgesetzt.

Sönke: Beuy, ein Zen Meister der Waschkunst.
Er hält den selbsternannten Kunstkritikern einen Spiegel vor, statt sich jedoch zu erschrecken und zu schämen, bezeichnen sie sogar das als Kunst, was genau der Punkt ist, was seine Aktionen zur Kunst macht.
Am besten war die Aktion, bei der er an einem 1. Mai in einer berliner Galerie stand und erklärte, dass er sich aus der Kunst zurückziehe. Dann ging er auf die Straße und und hängte nasse Wäsche auf. Die selbsternannten Kunstkritiker applaudierten und haben absolut nichts verstanden...
Ein anderes Beispiel ist seine berühmte Nassecke...

Horst: Hört mal her: der Mieter darf seine Wäsche in der Wohnung trocknen. Er muss sich aber darum kümmern, dass Schimmel kein Nährboden bekommt wegen der feuchten Wäsche: Regelmäßiges Lüften leitet die Feuchtigkeit nach draußen.Ein Klausel, die nasse Wäsche aus der Wohnung bannen will, ist unwirksam.

Ulrich: Richtig, eine feuchte Umgebung fördert die Bakterienentwicklung. Infolgedessen sollten Sie feuchte Wäsche vor dem Waschen nicht liegen lassen und nasse Wäsche auch nicht in der Maschine liegenlassen. Es ist immer besser, die Wäsche gleich nach dem Waschen zu trocknen. Es ist auch wichtig, Kleider nach dem Bügeln durchzulüften, um vor dem Aufbewahren sicher zu sein, daß sie ganz trocken sind.

Sönke: Wenn Andy Warhols Brillo Boxes ein Paket Waschmittel, Robert Gobers Cat Litter eine Tüte Katzenstreu oder Sylvie Fleurys Vital Perfection den Karton eines Diätpräparates imitieren, stellen sie sich als künstlerische Objekte dar, die Konsumgütern in ihrer äusseren Erscheinung bis ins Detail gleichen. Die Fetischisierung der Ware und die der Kunst gehen eine seltsame Allianz ein: Die Versprechen der Verpackungen werden enttäuscht - die Schachteln sind leer, Gobers Tüte Katzenstreu ist ein bemalter massiver Block Gips. Die Zerstörung der Verpackungen setzt keinen Gebrauchswert frei, sondern mindert allenfalls den ästhetischen und den Wiederverkaufswert der Objekte. Es scheint, als würde hier der Topos von der funktionslosen Kunst aufgenommen und so bis zur Kenntlichkeit banalisiert, dass das Kunstobjekt dem Konsumgegenstand gegenüber schlecht abschneidet: Nicht nur kostete Warhols Brillo-Box mehr als ein Paket des Waschpulvers im Supermarkt - man konnte damit auch nicht seine Wäsche waschen. Kunst, die wertfrei sein soll, ist vor allem frei von einem unmittelbaren Gebrauchswert.

Gerald: Feminismus ist lustig, auch das hat der Beuys gesagt!

Dietmar: Frauenbewegung? Das wär doch das letzte, wenn die sich nicht bewegen täten, die Weiber....

Petra: Chauvi!

Rolf: Das trocknen nasser Wäsche ist keine Theorie, sondern eine Vorgehensweise. Wir müssn da die Sprache ernst nehmen. Ich hole aus dieser Vorgehensweise vor allem das Gehen heraus. Es ist ein Gang, das ist eine Bewegung. Sie sagt, daß das innere Auge sehr viel entscheidender ist als die dann soweiso entstehenden äußeren Bilder. Viel besser für die Voraussetzung guter äußerer Bilder, die dann auch in Museen hängen können, ist, daß das innere Bild, also die Denkform, die Form des Denkens, des Vorstellens, des Fühlens, die Qualität hat, die man von einem stimmenden Bild haben muß. Also ich verlagere das Bild schon an seine Ursprungsstätte. Ich gehe zurück auf den Satz: Am Anfang war das Wort. Das Wort ist eine Gestalt. Auch in der Bank Art.

Petra: Danach ist nasse Wäsche nicht etwas Starres, sondern ein energetischer Prozeß, der auch als pulsierende Kraft erlebbar wird. Deshalb kann Beuys behaupten, daß man Nasswäsche hört, bevor man sie sieht - die Wirbel, die das fließende Wasser bildet, der Rhythmus des Herzklopfens beispielsweise sind Bewegungen, die nasse Wäsche bilden. Beuys provoziert so ein anderes, dynamisches, anthropologisches Verständnis von nasser Wäsche.

Gerald: So gesehen sei das Happening die Konsequenz des modernen Schamanentums. Der Schamane unserer Zeit kenne und beherrsche die Technik, die unsere Zivilisation hervorgebracht habe. Er kenne und beherrsche die Massenmedien. Von hier ausgehend, mit ihnen, suche er nach neuen Freiheiten.

 

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