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Sonne sendet Signale

Sun sows light

Spherontikon heliou phloga

Sa, 12.11. 2005

Überall wo eine Metapher ist, ist die Sonne nicht weit. (Derrida)

Heliosemer Club

Roberts Geschichte

Robert, ein junger Stundent der Radioastronomie an der TU München erhält die Chance an einem wissenschaftlichen Projekt zur Erforschung des akustischen Spektrums der Sonne (Helioakustik) mitzuwirken. Durch Losziehung wird sein Einsatzgebiet bestimmt, Namibia, südlich des 23. Breitengrades.

Angekommen auf dem Flughafen von Windhoek, fehlt von den weiteren Expeditionsteilnehmern jegliche Spur. Kurzerhand entschliesst sich Robert auf eigene Faust in die ihm zugewiesene Region der westlichen Kalahari Wüste zu reisen.

Unterwegs kommt Robert auf das Gebiet des reichen Farmers Foppl. Dieser warnt ihn eindringlich, seinen Weg fortzusetzen, macht ihn auf die Gefahren der Wüste, die Unwegsamkeit des Geländes und die Feindlichkeit der Eingeborenen aufmerksam: "Sie mögen es nicht, wenn ihre Sonne belauscht wird."

Bevor noch Robert zu einer Entscheidung kommen kann, melden die Bediensteten Foppls einen Herero Aufstand. Foppl lässt alle Zugänge seiner Farm verschliessen, zieht sich auf das von hohen Wällen umgebene Hauptgebäude der Farm zurück und verkündet eine Belagerungs-Party: "Wir haben genug für drei Monate, wir haben Champagner, wir haben Koks, wir haben DJs, ich will jetzt Musik hören...."

Das Fest beginnt. Robert, nun eingeschlossen, beschliesst seine Ausrüstung in einem Turm am Rande des weitläufigen Geländes aufzubauen, und seine Observationen im Rahmen des ihm aufgetragenen Projektes zu beginnen. Durchdringende Bässe aus dem Hauptgebäude stören seine empfindlichen Apparate; die Signale der Sonne kommen nur schwach und undeutlich an. Robert kann nicht entziffern, was die Sonne ihm sendet. Auf den Papierbahnen, die das Messgerät ausspuckt sind nur zusammenhangslose Zeichenketten zu erkennen.

Beschwerden an die Adresse Foppls erweisen sich als sinnlos. Stattdessen wird Robert aufgefordert, sich an der Belagerungsparty zu beteiligen, in den allgemeinen Rausch einzutreten, seine wissenschaftliche Strenge der Extase zu opfern. Die laszive Veronika stellt Robert nach, mimt Interesse an seiner Arbeit, die sie mit unzweideutigen Aufforderungen, statt der Sonne doch ihren Körper zu erforschen garniert. Robert zieht sich seinem Auftrag verpflichtet in sein Turmzimmer zurück. Aber auch dort ist er vor Veronika nicht sicher.

Endlich gibt Robert nach. In den Wochen, die er im Bett von Veronika verbringt, vergisst er die Sonne beinahe vollständig. Als er sich schliesslich von Veronika losreissen kann, sucht er sein Observatorium im Turm auf, das in der Zwischenzeit von meterlangen Papierschlangen des Messgerätes überquillt. Die Sonne hat gesprochen! Aber auf den endlosen Streifen steht nur ein einziger Satz, der sich immer und immer wiederholt.

Robert las und erbleichte...

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